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Seelenwellness in der Krise: Das Wunder der Zavelsteiner Krokusblüte




In schweren Krisenzeiten, in der es jeder Zeit sein kann, dass man einen wichtigen Menschen wie seine Großmutter an einen Virus verliert, muss man die Gelegenheit nutzen, wenigstens einen Tag die Gedanken daran vergessen zu können und wie kann man das am besten, wenn nicht, in dem man raus in die Weite fährt und sich dort das sagenumwobene Wunder ansieht. So gibt es im Herzen des Nordschwarzwaldes einen Ortsteil, der jedes Jahr von Tausenden Besuchern aus der näheren und ferneren Umgebung aufgesucht wird. Denn Zavelstein, das zu Bad Teinach-Zavelstein gehört, liegt in Baden-Württemberg auf einer Höhe von über 600 Metern und ist weltbekannt für seine Krokusblüte, die man jedes Frühjahr zwischen März und April bestaunen kann. Nur hier im Südwesten Deutschlands wächst der Frühlings-Safran (wie der Krokus auch genannt wird) wild, ohne, dass man ihn vorher in mühevoller Kleinstarbeit anpflanzen musste. Doch woher kommt der wilde Krokus dann?



Diese Frage beschäftigte viele Botaniker und so geht man heute davon aus, dass der hiesige Krokus von einem damaligen Burgherrn von seiner Auslandsreise um 1620 mitgebracht wurde, um die Gärten zu schmücken und die Pflanzen dann auswilderte.

Später fanden Botaniker außerdem anhand der Chromosomenanzahl heraus, dass der Zavelsteiner Krokus einer völlig neuen Gattung angehört: Crocus neglectus. Auch wenn die meisten meinen, dass jeder Krokus gleich aussieht und der Zavelsteiner dem aus Süditalien – dem Crocus neapolitanus – ähnlich sieht, ist dem nicht so. Also musste eine neue Art her, die übersetzt so viel wie „Übersehener“ oder „Vernachlässigter“ heißt und eher aus der Toskana (Norditalien) stammt.



An einem anfangs sonnigen Samstag fuhren wir also mit dem Auto nach Zavelstein, um uns dieses Wunder genauer anzusehen. Als wir das Auto abgestellt hatten, entdeckten wir auch gleich einen Wegweiser und standen kurz darauf vor einem Meer aus blau-violetten Tupfern. Vereinzelt findet man hier auch ein paar weiße, doch das ist eher eine Seltenheit und gelbe gibt es gar nicht. Und besonders angetan hat es mir eine weiße mit violetten Streifen.



Als ich dann endlich die ersten Fotos schießen wollte, zeigte meine Kamera einen „Kamerafehler“ an, ich musste also auf das althergebrachte Handy zurückgreifen. So sieht man zwar von der Weite die blauen Tupfer kaum, aber aus der Nähe kamen dann auch gute Bilder mit Bienen raus, die fleißig dabei waren, die Krokusse zu bestäuben, denn ganz alleine funktioniert die Verbreitung und Erhaltung eben doch nicht. So muss die Wiese kurz gehalten werden, damit die Frühlingsboten auch genügend Sonne abbekommen, was mit einer kontinuierlichen Nutzung des Grünlandes als extensive Mähwiese erreicht wird, wobei auf eine mechanische Einwirkung natürlich weitestgehend verzichtet werden muss. So werden im Sommer auf den Wiesen hauptsächlich Kühe geweidet, denn die Samenstände gelangen ins Viehfutter und werden unverdaut wieder als Dung auf den Wiesen ausgeschieden und damit verbreitet. So gibt es die Krokusblüte heutzutage nicht nur im Ortsteil Zavelstein, sondern auch in Sommenhardt, Lützenhardt, Rötenbach, Weltenschwann und Speßhardt.



All diese und weitere Informationen kann man auf dem ausgeschilderten „Krokusweg“ nachlesen, der einen nicht nur entlang der Krokuswiesen führt, sondern auch viele informative Sachen bereithält. Gehen wir also einfach den Weg der Krokusblüte durch das Naturschutzgebiet, lassen unsere Seele baumeln und können auch so manchem gebuchhten Guide zuhören, wenn wir denn keine Lust haben sollten, zu lesen.


Und wenn man schon einmal in Zavelstein ist, lohnt auch ein Besuch der Burgruine, den wir an diesem Tag jedoch nicht mehr tätigten, denn es fing auf einmal an zu regnen und wurde deutlich kälter. Wenn die Wettervorhersage also Sonnenschein ankündigt, kann das hier im Schwarzwald, wo sich Täler und Berge abwechseln, also deutlich anders sein.

Artikel und Fotos von Sophie Stähr

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