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Aikido – Eine sportliche Philosophie


Aikido ist eine Kampfkunst aus Japan. Der Name besteht aus den Worten „Ai“ auf dt. für „Ich“, „Ki“ auf dt. „Energie“ und „Do“ auf dt. für „tun“. Im Grunde genommen bedeutet Aikido nichts Anderes als „Ich tue was mit der Energie bzw. dem Qi“.


Heute interviewe ich Maik Gräfe, einen Aikido Meister, um herauszufinden, wie viel Philosophie und Denken hinter Kampfkunst steckt. Hallo Maik. Erstmal Danke für die Zeit, die du dir genommen hast. Meine erste Frage ist folgende: Was macht Aikido mit dem Körper?

Das eigentliche, was bei jedem Training passiert, ist, dass er trainiert wird. Zum einen Muskelmäßig, Aufbaumäßig, Kräftemäßig und vielleicht auch ein bisschen von der Kondition her. Aber im Großen und Ganzen, das meiste was wir hier im Aikido profitieren, ist zum Beispiel die Köperkoordination oder auch das Gefühl, mit den Kräften, die man hat, umzugehen bzw. um zu schauen: Wie viele Kräfte habe ich überhaupt? Welche grundlegende Philosophie verfolgt Aikido?

Also: Aikido hat die Philosophie, dass man eigentlich versucht zu kämpfen ohne zu kämpfen, das heißt also, man versucht einem Kampf möglichst aus dem Weg zu gehen, weil kämpfen um des Kämpfens Willen bringt eigentlich gar nichts und wenn man in einer Situation ist, wo Gewalt herrscht und man mit Gewalt antwortet, schraubt sich die Spirale der Gewalt einfach nur noch höher. Man versucht eigentlich durch das Training sich selber erstmal kennenzulernen, seinen Körper, seinen Geist und vielleicht auch daraus resultierend seine innere Gelassenheit und seine Geduld zu nutzen, um in einer prekären Situation eben erstmal nicht mit Gewalt die Lösung zu finden, sondern überhaupt mit einer anderen Möglichkeit ranzugehen. Kommunikation und so weiter, das braucht natürlich erstmal eine innere Einstellung, die man im Aikido lernt und die Philosophie ist eigentlich, dass man versucht, diese innere Arbeit eben auch auf das Konfliktpotenzial einer Situation rüberzubringen und so zu lösen, dass man vielleicht ohne Gewalt diese Situation lösen kann. Und selbst wenn man die Verteidigung anwenden muss, weil die Situation nicht anders zu lösen ist, dann zu versuchen, den „Gegner“ – weil er ist ja auch nur ein Mensch, weil ich vielleicht zur falschen Zeit an der falschen Stelle war – vor sich selbst zu schützen bzw. wenn man sich verteidigt, ihm keinen großen Schaden zufügt und ihn auch so zu kontrollieren versucht.


Kann Aikido den Geist verändern?


Ja, unbedingt. Das geht sowieso alles einher. Man kann nicht den Geist getrennt sehen von allen andern, sondern es ist immer auch eine Aufgabe von allen, als Körper und Geist, und beides tut sich auf jeden Fall beeinflussen und egal was ich mache, sobald ich mich einer Aufgabe ganz tief widme, dann verändert es auch den Geist und auch den Körper und je nach dem, was ich mache, wird auch der Geist entsprechend geformt und verändert. Natürlich hängt das auch damit zusammen, ob ich das möchte. Bin ich mir klar, dass mein Geist auch verändert wird und wenn ja, in welche Richtung und kann ich das beeinflussen? Im Aikido versuchen wir halt den Geist insofern zu beeinflussen, dass wir eben uns erstmal selber kennenlernen, unsere geistigen Fähigkeiten in Konfliktsituationen und in Stresssituationen, um daraus eben zu lernen: Was kann ich tun? Und es gibt Übungen, die mir helfen mich zu beruhigen, meinen Geist zu beruhigen, aber auch meinen Atem und daher denke ich auch, dass es unbedingt auch den Geist verändern wird und ich hoffe, auch in eine positive Richtung. Das soll ja auch der Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit sein.

Wie geht Aikido mit dem "Qi" um?


Qi ist ja die Lebensenergie, die wir haben und diese Lebensenergie zu pflegen, ist halt die Aufgabe bei uns jetzt im Aikido, aber egal, man kann Qi auch mit anderen Dingen pflegen. Bei uns ist es halt durch bestimmte Übungen: zum Beispiel, wie ich schon ansprach, Atemübungen oder das Training an sich. Das man versucht, das Qi erstmal wahrzunehmen, von sich selber, und damit auch eine Verbesserung einhergehen zu lassen. Das Qi zu pflegen ist ganz wichtig, wenn ich mein Qi nicht pflege, dann bin ich auch ein leichtes Opfer von – zum Beispiel – Krankheiten. Wenn ich ein Opfer von solchen Sachen werde, wenn ich mein Qi pflege, dann bin ich mir dessen bewusst und kann trotzdem versuchen, mithilfe meiner Lebensenergie, vielleicht die Situation zu lösen, indem ich das annehme und dann das Beste daraus mache. Weil Ablehnung bedeutet auch, dass ich die Lebensenergie ablehne. Und egal, wie negativ es aussieht, ich sollte versuchen, das Qi, was ich habe, zu nutzen, um was Positives daraus zu machen. Und deswegen muss ich auch mein Qi pflegen. Das geht auch schon durch positive Gedanken.

Gibt es andere Elemente im Aikido, die spiritueller Natur sind?


Spiritualität ist ja überall vorhanden, auch außerhalb des Trainings. Man muss nicht unbedingt trainieren, um spirituell zu sein. Und was ich auf der Matte übe, also das Prinzip und die Grundgedanken, darf ich nicht dort lassen, sondern nehme das mit nach draußen. Spiritualität findet man auch fast überall. Sie meint ja auch, achtsam zu sein, im Hier und Jetzt zu leben, einfach in dem, was man gerade macht.

Was sollte man an Charaktereigenschaften mitbringen, wenn man das Aikido erlernen möchte?


Das ist auch immer eine schöne Frage, die mir oft gestellt wird. Jeder kann Aikido machen. Natürlich ist es wichtig, dass man das möchte. Und man muss seine Grenzen kennen. Wenn man seine Grenze nicht kennt, dann sollte man Mut haben, seine eigenen Grenzen kennenzulernen. Und wenn ich sie kenne, weiß ich, wo sie sind und ich kann an diesen Grenzen arbeiten. Ich kann sie erweitern, ich kann sie festigen – natürlich ist es das Beste, wenn man sie erweitert.

Kann man Aikido außerhalb der Trainingszeit irgendwie in den Alltag einbinden?

Ich hatte es ja vorhin schon ein bisschen angedeutet, dass man das, was man hier lernt, nicht auf der Matte lassen soll, sondern ich kann ganz vieles eben vom Training mit nach draußen ins Leben nehmen. Die Achtsamkeit zum Beispiel. Das ich also darauf achte, wie atme ich, was sind meine Gedanken, wie gehe ich mit meinem Gegenüber um. Das lernt man ja auch auf der Matte, wie ich mit meinem Gegenüber trainiere, nicht einfach so angespitzt in die Erde ramme, sondern mich ihm gegenüber so verhalte, das ich spüre: „Okay, das ist noch eine Anfänger mit dem ich ein wenig zaghafter umgehen muss.“ Und genau diese Sachen kann ich auch mit ins Leben rausnehmen, also das heißt, ich kann versuchen, die Prinzipien Entspannung, Gelassenheit, Spüren, Wahrnehmen, den anderen wahrnehmen und mich selbst wahrzunehmen mit rauszunehmen – das brauche ich ja draußen auch. Es ist ja nichts exklusiv, das was auf der Matte passiert.


Hiermit bedanke ich mich nochmal bei Maik Gräfe für das Interview. Wenn du jetzt auch neugierig geworden bist, schaue einfach bei der Ersten Aikido-Schule Dresden vorbei.



Kleiner Abschied


Dies ist mein letzter Artikel in der Schülerzeitung. Ich hoffe, ich konnte mit meinen Artikeln ein wenig zum Nachdenken anregen und euch die Welt etwas näher bringen. Doch seid selber auch neugierig und werdet selber Entdecker. Mensch zu sein ist schon was Erstaunliches. Ich schreibe übrigens noch ein Buch, was unter meinem richtigen Namen auch hoffentlich veröffentlicht wird. Das ist also nicht das letzte Schreiben von mir. Ich bin kein Freund von langen Abschiedsreden. Deswegen sage ich einfach nur: Lebt lang und in Frieden.



Nachsatz


Wie ihr schon bestimmt gelesen habt, beschäftige ich mich meistens mit philosophischen Themen und Fragen. Wenn ihr also gerne über so etwas sprechen wollt, scheut euch nicht mich anzusprechen.



Martin Mögel, Klasse 12



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